Geschäftsführer der IPOL GmbH. Begleitet seit über 20 Jahren Anlauf-, Engpass- und Transformationsprojekte in der produzierenden Industrie – von Automotive bis Maschinenbau.
Es ist immer dieselbe Anrufzeit: Freitagnachmittag. Der Serienanlauf läuft seit acht Wochen, die geplante Stückzahl wird zu 60 Prozent erreicht, der Kunde hat die zweite Eskalationsstufe gezündet. Jetzt soll es schnell gehen. Was in diesen Situationen hilft – und was nicht –, lässt sich auf wenige Muster zurückführen. Fünf davon sehen wir seit zwanzig Jahren in fast jedem kritischen Hochlauf.
Anlaufpläne werden in der Regel als Idealverläufe geschrieben: Maschinenfähigkeit erreicht, Personal geschult, Lieferkette stabil. Real ist keine dieser Annahmen am Tag eins belastbar. Erfolgreiche Hochläufe planen Störungen ein – mit Pufferkapazitäten, definierten Eskalationswegen und einem Anlaufteam, das Entscheidungen treffen darf, statt sie zu eskalieren.
Wer nur den Output zählt, sieht das Problem zu spät. Die führenden Indikatoren liegen eine Ebene tiefer: Erstdurchlaufquote, Störungsdauer je Schicht, Nacharbeitsbestand. Wenn diese Größen nicht täglich sichtbar sind, wird aus einem technischen Problem ein Lieferproblem – und aus einem Lieferproblem eine Kundeneskalation.
In kritischen Anläufen beobachten wir oft eine Verantwortungsdiffusion zwischen Projektorganisation, Linienorganisation und Lieferanten. Jeder steuert seinen Ausschnitt, niemand das Ganze. Wirksam wird ein Hochlauf erst, wenn eine Person mit Mandat im Werk steht – mit täglichem Takt, klaren Prioritäten und direktem Draht zur Geschäftsführung.
Mehr als die Hälfte der Stückzahlkrisen, die wir begleiten, haben ihre Wurzel in der Lieferkette. Trotzdem endet das Anlaufmanagement vieler Unternehmen am eigenen Wareneingang. Wer kritische Lieferanten nicht in Takt, Transparenz und Eskalationslogik einbindet, steuert nur die halbe Wertschöpfung.
Wenn die Stückzahl steht, ist die Versuchung groß, das Anlaufteam aufzulösen und zur Tagesordnung überzugehen. Die teuren Muster – instabile Prozesse, ungelöste Qualitätsthemen, improvisierte Logistik – bleiben dann im System und kommen beim nächsten Produkt wieder. Der Unterschied zwischen einem überstandenen und einem gelösten Anlauf zeigt sich erst im Folgeprojekt.
Stückzahlkrisen sind führbar – aber nicht mit denselben Strukturen, die sie verursacht haben. Drei Fragen helfen bei der Standortbestimmung:
Wenn eine dieser Fragen offen ist, lohnt ein Gespräch. Nicht über Methoden – über Ihre Situation.
Geschäftsführer der IPOL GmbH. Begleitet seit über 20 Jahren Anlauf-, Engpass- und Transformationsprojekte in der produzierenden Industrie – von Automotive bis Maschinenbau.